Heute bin ich mal nicht ich!

 

Hilfe, mein Kind geht nur noch als Superman in den Kindergarten…

Kinder lieben es sich zu verkleiden, und das nicht nur zur Karnevalszeit. Sie schlüpfen in andere Rollen, spielen erlebtes nach. 

 

Traditionell verkleidet man sich zur Karnevalszeit, doch besonders Kinder ab ca 3 Jahren bis in die Grundschulzeit hinein schlüpfen gerne in andere Kleidungsstücke, Rollen und Kostüme. Doch was genau steckt dahinter?

Ein anderes Erscheinungsbild ermöglicht Kindern (und auch Teenies) sich auszuprobieren. So wird der kleine schüchterne Lars durch ein Stöckchen, ausgestreckten Finger etc in seiner Phantasie ein starker Cowboy oder Polizist, die hochgewachsene Lena durch ein Zwergenkostüm gefühlt ein wenig kleiner. Die hilfsbereite Laura lässt sich als Prinzessin selbst einmal bedienen, und der ständig ausgeschimpfte, unterdrückte Tim schlüpf vielleicht in das Superman Kostüm. Denn dann ist er stark und groß!

Das tolle an den Kostümen ist, es ermöglicht andere Verhaltensweisen und Identitäten auszuprobieren ohne das die Reaktionen der Außenwelt einen selbst treffen. So kann z.B. Laura herausfinden, ob sie auch noch gemocht wird, wenn sie ihrer Freundin nicht immer alles hinterher trägt und selbst einmal ein Spiel vorschlägt das ihr jetzt Spaß macht.

Wenn Kinder in eine andere Rolle schlüpfen, schaffen sie sich eine Gegenwelt, in der sie großartig sind und autonom; sie verwandeln sich am liebsten in Personen aus der Erwachsenenwelt, denn zu ihnen sehen sie auf. „Vater, Mutter, Kind“ ist das beliebteste Spiel im Kindergartenalter. Hier lassen sich nicht nur die geschlechtstypischen Rollen üben, sondern das Kind ist nun selbst in der Machtposition eines Erwachsenen.

So spielen Kinder im Rollenspiel häufig Situationen nach, die sie überfordert, geängstigt oder beeindruckt haben. Das kann ein vorgelesenes Märchen sein, eine Streitsituation mit der Freundin oder Mutter, eine besondere sportliche Leistung der großen Schwester…

Dem Rollenspiel mit oder ohne Kostüm sind kaum Grenzen gesetzt. Das wichtigste Utensil ist die kindliche Phantasie!  Ein wunderbares Requisit im Kinderzimmer ist eine Kiste voller Kleidungsstücke und Accessoires. So kann Ihr Kind nach Herzenslust in andere Rollen schlüpfen, dabei Macht, Stärke, frech sein, Dame sein… und die dazu passende Mimik und Gestik aus- und einüben. Ein schöner Nebeneffekt dieses Ausprobierens ist das einfinden in die Welt und in andere Lebewesen. Durch das Einfühlen in die Rolle wird ein Verständniß für andere erlernt und die eigene Persönlichkeit (weiter) entwickelt.

Ich wünsche Euch nun viel Freude am Verkleiden und Spaß mit den vielen kleinen Indianern, Prinzessinnen und Feen!

Eure Sara 🙂